Infektiologie & Hygiene
Zytomegalie: Diagnose
Zytomegalie
Synonyme: Speicheldrüsenviruskrankheit, Einschlusskörperchenkrankheit
Definition
Akute Viruserkrankung, verursacht durch das gleichnamige Beta-Herpes-Virus;häufigste Pränatalinfektion.
Erreger
Das Zytomegalievirus (CMV) gehört zur Gruppe der Herpesviren. In den Industrieländern ist der Antikörpernachweis bei rund 60%, bei HIV-infizierten Patienten und Erwachsenen in Ländern der Dritten Welt bis zu 100% positiv.
Zytomegalievirusinfektionen sind bei Erwachsenen häufig inapparente, aber auch die Ursache für rund 10% aller Fälle von infektiöser Mononukleose. Symptomatische intrauterine Infektionen sind selten (~5-10% aller Fälle), aber schwerwiegend mit Beteiligung von Zentralnervensystem, Lunge, Leber und Haut.
Übertragung
- durch Schmier- und Tröpfcheninfektion (v.a. peri- und postnatal); diaplazentar; hämatogen (Transplantation, Bluttransfusion)
- Ausbildung einer schützenden Immunität ist durch zahlreiche immunsuppressive und -modulatorische Mechanismen des Virus deutlich verzögert
- Virus persistiert in den Zellen des Monozyten-Makrophagen-Systems und kann durch bisher nicht eindeutig identifizierte Trigger reaktiviert werden
Symptome
- Primärinfektion: zumeist milde oder inapparente Infektion; in Ausnahmen milde Hepatitis, Milzvergrößerung (siehe auch Milzerkrankungen), Mononukleose (siehe auch Epstein-Barr-Virus)
- intrauterine Infektion: in seltenen Fällen Ikterus, Krampfanfälle, Petechien, Chorioretinitis, Mikrozephalie oder geistige Retardierung
- immunkompromittierte Patienten: häufig schwerer Verlauf mit Pneumonia, Retinitis, Gastroenteritis mit Ulzerationen, Hepatitis, Enzephalitis, Orchitis
Diagnostik
- Blutbild ähnelt dem der Mononukleose
- virologische Diagnose mittels Serologie (Nachweis virusspezifischer IgM- und IgG-Antikörper; ELISA-Technik) oder Virusnachweis aus Gewebebiopsien, Liquor oder Urin
- bei der kongenitalen Form typische Einschlusskörperchen in Zellen des Urinsedimentes
- ophthalmologische Beurteilung der Retina
- Magnetresonanztomographie des Gehirns
(siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)
Verlauf
Bei immunkompetenten Organismen i. d. R. inapparent, selten mit Allgemeinsymptomatik. Bei Neugeborenen und immunkompromittierten Personen können jedoch schwere generalisierte Krankheitsverläufe auftreten.
Häufig tritt Zytomegalie als "opportunistische Infektion" bei Patienten unter immunsuppressiver Therapie oder beim erworbenen Immundefizienzsyndrom (AIDS) auf.
Komplikationen
- Pneumonie
- ulzeröse Gastroenteritis
- Polyneuritis
- Enzephalitis
- Hepatitis
| Zytomegalie - Symptomatik verschiedener Formen |
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Generalisierte Infektion
Pränatale Infektion |
Lokalisierte Infektion
Peri- und postnatale Infektion |
Infektion bei Abwehrschwäche
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| Mangelgeburt, Unreife, Muskelhypotonie | Fieber, Myalgie, Arthralgie, Allgemeinsymptome | |
| Pneumonie | Pneumonie | |
| Hepatitis, Ikterus, Splenomegalie | Hepatitis | Hepatitis, selten Pankreatitis |
| (Chorio-)Retinitis | (Chorio-)Retinitis | |
| Mikrozephalie, Hydrozephalus, Enzephalitis mit zerebralen Verkalkungen, Labyrinthitis (Taubheit), permanente ZNS-Schädigung ohne strukturelle Defekte, geistige Retardierung | Guillain-Barré-Strohl-Syndrom | Enzephalitis, neurologische Symptome |
| Immunkomplex-Glomerulonephritis | ||
| Prädisposition für andere opportunistische Infektionen, Transplantatabstoßung |
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch 1998
Zytomegalie-Retinitis
Definition
Progressive Entzündung der Netzhaut durch Zytomegalievirus, führt unbehandelt zur Erblindung.
Vorkommen
- selten bei immunsupprimierten Patienten
- häufig bei HIV-Erkrankung








